In der Lagerlogistik bewegen sich saisonale Spitzen oft im Verhältnis 1:3 bis 1:5 zur Grundlast. Ein E-Commerce-Versandzentrum mit 4 Stamm-Kommissionierern braucht in den 6 Peak-Wochen Q4 plötzlich 18 bis 22. Diese Spitzen mit Stammpersonal abzufedern, scheitert in der Praxis: Überstunden treffen auf Tarifgrenzen, Burn-out-Risiken, abnehmende Qualität.
Modell 1: Werkvertrag
Sie übergeben die Peak-Last als Werk an einen externen Anbieter. Der Anbieter bringt eigenes Personal, eigene Schichtleitung, eigene Steuerung. Sie bekommen das Ergebnis übergeben.
Vorteile
- Keine Personalverwaltung Ihrerseits
- Festpreis-Berechenbarkeit
- Kein Recruiting-Aufwand
- Krankheits- und Ausfallrisiko liegt vollständig beim Auftragnehmer
- Sofortige Einsatzbereitschaft
- Skalierbar
Nachteile
- Höherer Pauschalpreis als reiner Stundensatz
- Aufgabe muss als Werk klar definierbar sein
- Keine Übernahme des Personals nach Saison
- Sie geben Steuerung ab
Modell 2: Arbeitnehmerüberlassung (AÜG)
- Sie behalten die operative Steuerung
- Stundenflexibilität: heute 8 Stunden, morgen 4
- Übernahme nach 9 oder 18 Monaten möglich
- Funktioniert auch bei diffusen Aufgaben
Modell 3: Befristete Eigeneinstellung
- Vollständige Integration in Ihr Team
- Niedrigster Stundensatz (kein Margeaufschlag)
- Möglichkeit zur Übernahme bei Bewährung
- Aber: Recruiting-Aufwand 4 bis 6 Wochen, Onboarding 1 bis 2 Wochen, Lohnnebenkosten
Modell 4: Mini-Job- und Werkstudenten-Pool
- Sehr flexibel auf Tagesbasis
- Niedrigste Stundenlöhne (Mindestlohn)
- Aber: hoher Verwaltungsaufwand, geringere Erfahrung, 538-€-Grenze
Vergleichstabelle
| Kriterium | Werkvertrag | AÜG | Befristung | Mini-Jobs |
|---|---|---|---|---|
| Vorlauf bis Einsatz | 1 bis 7 Tage | 1 bis 7 Tage | 4 bis 6 Wochen | 4 bis 8 Wochen Pool-Aufbau |
| Recruiting-Aufwand bei Ihnen | 0 | gering | hoch | hoch |
| Steuerungsaufwand bei Ihnen | gering | hoch | sehr hoch | sehr hoch |
| Krankheitsrisiko bei Ihnen | 0 | gering | hoch | hoch |
| Kosten pro Stunde (effektiv) | mittel-hoch | mittel | niedrig | niedrig |
| Skalierungsschnelligkeit | sehr schnell | schnell | langsam | langsam |
| Übernahmemöglichkeit | nein | ja, nach 9 bis 18 Monaten | ja | ja |
Empfehlungen nach Saisontyp
Q4-Peak im E-Commerce (6 Wochen, 1:4-Skalierung)
→ Werkvertrag. Die Aufgabe ist klar als Werk definierbar (Picks/Schicht), das Volumen rechtfertigt den Pauschalpreis, eigenes Recruiting ist zu langsam.
Inventurwoche (1 Woche, 1:2-Skalierung)
→ AÜG oder Werkvertrag. Bei klar definiertem Inventur-Werk ist Werkvertrag günstiger; bei diffusen Inventuraufgaben funktioniert AÜG besser.
Saisonanstieg über 3 bis 6 Monate
→ Befristung kombiniert mit Werkvertrag. Stammlücken befristet einstellen, Spitzen über Werkvertrag.


